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tags: ['Reise', 'Réunion', 'Frankreich']
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Offensichtlich sind wir Urlaubsfranzosen. Die diesjährige Flucht vor dem harschen Winter führte uns wieder einmal in ein DOM-TOM unserer westlichen Nachbarn. Was will man auch machen? Der Franzose hat sich anscheinend die Sahnestücke seines Kolonialreichs behalten, und dank der EU profitieren wir jetzt alle davon. Alors, ab nach Réunion dachten wir uns.
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## Niederlande oder Frankreich, Hauptsache Käse
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Nun muss ganz weit ausgeholt werden: wir waren sehr "früh" dran mit unserem Urlaub. Ende September entschieden wir uns für unser Ziel. Zunächst hatten wir wieder die Karibik im Auge, war doch Martinique in etwa das, was wir uns von unserer Winterflucht erhofften. Da wir mit dem Verkehr auf der Insel aber unsere Probleme hatten, schielte ich auf das niederländische Kolonialreich. Wenn die Kasköppe irgendwas können, dann fußgängerfreundlichen und autofeindlichen Verkehr, genau nach meinem Geschmack. In der Karibik (im weitesten Sinne) wären das hauptsächlich die ABC-Inseln kurz vor der südamerikanischen Küste. Allerdings hatte eine oberflächliche Recherche ergeben, dass diese Inseln zwar von der Unterwasserwelt einiges zu bieten haben, aber an Land eher dürftig sind. Sprich: keine aufregenden Berge mit Wasserfällen und damit keine spektakulären Wanderungen. Da ausgiebiges Schnorcheln für Nimue und Nael noch etwas sehr advanced schien, war ich also mit dem potentiellen Ziel nicht so richtig warm geworden. Wir klagten unser Leid eines Abends durchreisenden Freunden, die zu Besuch waren, und die sagten nur: "Wir wäre es mit Réunion?"
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"Keine Ahnung, wie wäre es denn?" dachte ich mir. Ich wusste, wo das liegt, dass es zu Frankreich gehört und mehr auch nicht. 4 Sekunden später stand das Ziel fest. Warum? Gebt einfach mal Réunion in die Bildersuche eures Vertrauens ein, ihr werdet es herausfinden.
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## Erstes Hindernis: Deutsche Bahn
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Gut, wir kennen das schon: der Flug von Paris ist verhältnismäßig günstig, also ab dafür. Der komplexere Teil der Reise war dann, wie man nach Paris gelangt. Im Oktober teilte man uns mit, wir seien deutlich zu früh dran. Fahrplanwechsel, diesdas, niemand weiß, ob und wann im Januar noch Züge nach Frankreich fahren werden. Na gut, also wartete ich geduldig bis ca. Mitte November. Dieses Mal wollten wir uns das mühselige Umsteigen und die Metro in Paris sparen, das ist mit Gepäck und Kindern kein Zuckerschlecken gewesen. Der Pariser Flughafen hat allerdings, ganz modern, einen direkten TGV Halt, das sollte also unser Zielbahnhof werden. Die sinnvollste Verbindung dorthin ging allerdings laut Fahrplanauskunft über Brüssel. Oje, ich ahnte, was auf uns Zukommen würde: als ich in Holland gewohnt habe, gingen manche guten Verbindungen nach Duitsland auch über Brüssel. Die konnte man allerdings nie so richtig buchen, weil es offensichtlich unmöglich ist, Preise für das Durchqueren von drei Ländern auszurechnen. Na ja, dachte ich weiter, es sind ja seitdem 10 Jahre ins Land gezogen, ganz vielleicht hat sich was getan.
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Ernüchternd starrte ich auf den Bildschirm, als die Bahn mir mitteilte "Keine Preisauskunft möglich". Ah ja, hat sich nicht so viel getan in besagten 10 Jahren. Ab ins Reisezentrum, magischerweise können die das da nämlich ausrechnen, auch wenn sie manchmal weitere Kollegen heranziehen müssen, und man mit seinem Wunsch Frankfurt-Brüssel-Paris erstmal das Reisezentrum für Stunden außer Gefecht setzt. Etwas stutzig wurde ich allerdings, dass auch eine Verbindung nur über Straßburg nicht gebucht werden konnte.
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Wart ihr jüngst schon mal in einem DB Reisezentrum? Da wiederum hat sich einiges getan. Normalerweise wartete man ja Stunden zwischen verzweifelten Reisenden mit lebenden Hühnern im Gepäck darauf, dass sich irgendjemand erbarmt. Aber wow, es war leer, ich war sofort dran! Ich äußerte meinen Wunsch. Die Dame schaute auf meine ausgedruckte Verbindung und sagte auf mein "Ich kann die Verbindung nicht buchen" nur: "Ich kann die auch nicht buchen". Auf mein "... - wer kann sie denn buchen?" kam "Vielleicht (sic!) die SNCF". Es stellte sich heraus, dass mit dem Fahrplanwechsel auch ein Systemwechsel bei der Bahn anstand. Alle Reisen nach Frankreich, die komplizierter waren als "eine Person fährt nach Frankreich" konnten bis zum 14.12. nicht gebucht werden. Dann sollte das neue System kommen. Aber die, offensichtlich erfahrene, Schalterdame gab mir noch den Tipp: "Aber versuchen Sie es nicht direkt am 14.12., das wird ein paar Tage brauchen, bis es wirklich funktioniert."
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Den dritten Versuch (eigentlich den vierten, bei der SNCF konnte man auch nicht buchen, aber man hätte vor allem keine Bahncard einsetzen können) ein Zugticket zu erhalten startete ich also am 17.12. Mir wurden Preise angezeigt. Natürlich gab es für die Hinfahrt Anfang Januar nun natürlich keine Sparpreise mehr, insgesamt 650 Euro wollte die Bahn für die Verbindung. Na ja, was will man machen? Augen zu und durch! Am Ende des Buchungsvorgangs stand auf dem Bildschirm "Die Buchung konnte nicht durchgeführt werden, versuchen Sie es noch einmal". Gut, versuche ich es noch einmal. Gleiches Ergebnis. Die Bahn WOLLTE uns einfach nicht zum Flughafen in Paris bringen.
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Alternativen mussten her. Auto und Langzeitparken wären preislich im Rahmen gewesen, aber ich wollte ungern die Kinder vor einem 11 Stunden Nachtflug auch noch 9-10 Stunden ins Auto sperren. Am Ende regelte die Lufthansa für uns. Mit nun deutlich entspannteren Reisezeiten, weniger Umstiegsangst und der Möglichkeit, unser Gepäck schon einen Abend vorher entspannt aufzugeben wurde also unsere Bahnreise begraben. In Hindsight wäre es vielleicht noch schlauer gewesen, unseren Flug mit Air France einfach auf Frankfurt umzubuchen. Vielleicht wäre es günstiger gewesen, aber zumindest unser Gepäck hätten wir nicht in Paris selbst handlen müssen. Na ja, hinterher ist man natürlich wieder schlauer.
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## Es ist Urlaub!
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So viel also zur Vorgeschichte. Es gab noch ein paar andere Anekdoten: so wurde das Haus mit unserer Unterkunft irgendwann verkauft, und wir mussten mit den neuen Besitzern neu buchen. Mein TAN Gerät wurde durch den Versuch einen Mietwagen zu buchen irgendwie deaktiviert, und ich musste auf einen Brief von der Bank warten um wieder unser Konto benutzen zu können, außerdem wollte Weihnachten vorbereitet und gefeiert werden. Aber die Geschichte mit der Bahn war schon der größte Klopper.
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Anyway. Am Abend vor der Abreise hatte ich noch die fixe Idee, dass wir unser Auto ja in ein Langzeit Parkhaus in Frankfurt stellen könnten, und dadurch entdeckte ich die vielfältigen Valet Parkservices rund um den Flughafen: ein Fahrer übernimmt die Karre an der Abflughalle und dann steht das Auto halt drei Wochen in Raunheim rum. Ist preislich fair, wir hatten dadurch eine wahnsinnig entspannte Anreise zum Flughafen und wir müssen uns nicht sorgen, dass das Auto abgeschleppt wird, weil irgendwer in den drei Wochen umzieht und ein Parkverbot aufstellen lässt. Was es nicht alles gibt.
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Die Reise verlief dann ohne großen Aufreger, sogar die Security am Flughafen, der große Nemesis meiner Nerven, war ziemlich stressfrei. Man darf jetzt sogar ohne großes Bohai Getränke mitnehmen, man höre und staune. Der Nachtflug war ziemlich unbequem und das Bordpersonal irgendwie geringfügig unfähig, die Leute hinter uns unfreundlich, aber immerhin die Kinder hatten eine Mütze Schlaf. Täschi und ich waren halt völlig im Arsch. Mietwagen am Flughafen reibungslos übernommen und zur Ferienwohnung gecruist: am 2. Januar gegen Mittag begann der Urlaub mit entspannten 28 Grad, einer leichten Brise und dem Blick von unserer Terrasse auf den Indischen Ozean. Und einem Mittagsschlaf (für die Großen) und Sendung mit der Maus (für die Kleinen, die waren ja nun wach und hyped).
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title: "Berge, Kurven und Schnee"
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date: 2026-01-10T17:07:08+01:00
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tags: ['Reise', 'Réunion', 'Frankreich']
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Der Winter hat die Heimat fest im Griff: ein Schneesturm erschüttert Europa und legt alles lahm, malt alles weiß. Aus Solidarität hieß es für uns: ab in die Berge, wir wollen auch Schneeballschlacht. Wieder einmal enttäuscht allerdings die geographische Namensfindung.
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## Das Dorf im Krater
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*Cilaos*. So heißt das verschlafene Dörfchen am Fuße des *Piton des Neiges*. Jener sagenumwobene Gipfel (keine Ahnung, ob er wirklich sagenumwoben ist, aber es klingt poetisch), der schon dem Namen nach Skiabenteuer verspricht. *Gipfel des Schnees*. Die Steigeisen waren geschärft, die Ski frisch gewachst, es konnte losgehen. Die Reise ist beschwerlich. *Cilaos* liegt in einem Kraterkessel, eine Zufahrt gibt es nur über einen Pass. Passstraßen, insbesondere an so steilen Vulkanhängen, zeichnen sich durch zahlreiche Kurven und Engstellen aus. Jetzt bin ich schon über den ein oder anderen Pass gefahren, aber gefühlt hatte nicht mal der Pass nach *Tagong* am Rande Tibets *so* viele Kurven. Links und rechts und wieder links. Eng hier, warten dort. Für die 20 km braucht man aus dem Tal etwa eine Stunde. Zur Belohnung schaut man auf der anderen Seite...in ein Tal. Na toll. Der erste Blick zum *Piton des Neiges*: kein Schnee auf dem Gipfel des Schnees. Was das? Wikipedia klärt auf: es liegt *nie* Schnee dort. Manchmal ein bisschen Raureif. Lag jemals Schnee? Man weiß es nicht. Über 3000 m ist der Berg zwar hoch, aber es schneit dort nicht. Warum man ihn so nennt? Keiner weiß es.
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Als wir also durch das 30 Grad warme und weitgehend schneelose *Cilaos* fuhren, hatten wir wohl eine Kurve zu viel mitgenommen: Nimue kotzte uns zur Belohnung erstmal schön in die Karre. Abgeschnitten von der Welt hatten wir keine Wechselkleidung dabei, nackig konnten wir das geschundene Kind jetzt natürlich auch nicht in die Sonne räumen. Nach rudimentärer Säuberung war uns das Glück aber hold und an einem kleinen Flohmarktstand konnten wir Ersatzklamotten erstehen, die auch noch richtig schick aussahen. Der Franzose weiß eben, wie man sich und seine Kinder stilvoll kleidet. Auf den Schock hatten erstmal alle Hunger. Wir waren allerdings entweder zu früh am Tage unterwegs oder die Hauptsaison einfach vorbei, auf jeden Fall hatten alle Restaurants noch zu. Einzig ein kleiner Imbiss hatte auf. Am Anfang der Nahrungssuche sprachen uns zwar die neckischen Sitzgelegenheiten im Schatten an, aber die Karte war recht dürftig. Nachdem wir das weitere kulinarische Angebot des Ortes aber überprüft hatten, schien es uns aber plötzlich äußerst verlockend.
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Der erste Eindruck blieb dennoch richtig: unsere Sandwiches und die Pommes haben den Hunger bekämpft, aber Gaumenfreude fühlt sich anders an. Wir sparten uns die Crêpes, sehr zu Nimues Leidwesen. Nun denn, endlich zog es uns zur Wanderung des Tages: ein Wasserfall musste her (natürlich, was auch sonst). *Cilaos*, sich selbst als der südlichste anerkannte Kurort der Welt rühmend, hat einen [Wasserfall an den alten Thermen](https://www.openstreetmap.org/search?lat=-21.131042&lon=55.469005) im Angebot. Na, wenn das mal nicht unsere Knie geheilt hat, das gute Heilwasser vulkanischen Ursprungs, oder was immer man sich auch davon versprochen hatte. Der Weg war wieder heiß, bergig, aber schön. Immer wieder querte ein kleiner Bach den Abstieg. Die Wasserfälle waren nett, aber im Vergleich nun auch nichts Besonderes. Den Reiz macht die Abgeschiedenheit und die Lage des Ortes im Vulkankrater, das Bergpanorama und die im Laufe des Tages in den Krater drückenden Wolken aus. Wir erfrischten uns ausgiebig im kühlen Wasser unsere Hitpoints waren durch die Kurhaftigkeit der magischen Quellen wieder voll hergestellt. Leider ramponierten wir unsere Körper direkt wieder durch den Aufstieg, bei dem die Kinder natürlich wieder getragen werden wollten. Zurück im Ort gab es noch ein nicht so leckeres Eis und schon waren wir wieder auf dem kurvenreichen Weg zurück. Nimue saß diesmal vorne bei Mama, verschlief aber direkt den Pass zum größten Teil.
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## Der Decathlon auf der anderen Seite der Insel
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Drei Decathlons gibt es auf Réunion, falls ihr euch das auch gefragt habt. In unserem Stammdecathlon gab es ja nun keine Wasserschuhe mehr, die wir auch am vorigen Tag trotz Heilquellenwasser schmerzlich (nicht nur im übertragenen Sinne) vermissten. Die Bestandsüberprüfung ergab allerdings, dass die Auswahl im abgelegeneren nördlichen Decathlon bei *Saint-Suzanne* noch vorhanden sei. Da wir nun schon zwei Tage nicht bei Decathlon waren, war das Ausflugsziel damit gesetzt. In der Nähe von Saint-Suzanne gibt es das [*Bassin Bœuf*](https://www.openstreetmap.org/node/2986452902), ein vielversprechender - na? - Wasserfall, natürlich. Also konnten wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, so der Plan.
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Leider ging es Täschi an diesem Morgen schon nicht besonders gut, und es wurde durch die etwa einstündige Fahrt nicht besser. Wir schleppten uns also in den Decathlon zweiter Wahl. Weit und breit keine Heilquelle, die es hätte richten können. Aber: der Onlinebestand war akkurat, es hagelte Wasserschuhe für alle Beteiligten. Leider war mit Täschis zunehmend verschlechterten Zustand kein Rinder Wasserfall zu erwandern. Aber die braunen Schilder an der Autobahn versprachen einen anderen Wasserfall. Jetzt schnallt euch an: [*Cascade Niagara*](https://www.openstreetmap.org/node/2986449649). Na, bei dem Namen muss man doch da hin. Und das Beste (aufgrund des Gesundheitszustands der Reisegruppe, nicht unbedingt aufgrund der Abgeschiedenheit und Unbekanntheit des Ortes)? Man kann direkt mit dem Auto vorfahren. Gesagt, gefahren. Durch unsere genetisch selbstproduzierten Wecker waren wir sogar recht früh dran und konnten einen Parkplatz ergattern. Ich hab jetzt die Niagara Fälle noch nicht gesehen, glaube auch nicht, dass dieser Wasserfall ernsthaft in derselben Liga spielt, aber es war wieder ein sehr schöner Wasserfall, muss man schon sagen.
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Wir konnten schwimmen, Steine ins Wasser werfen, picknicken, Mittagsschlaf machen, fotografieren und eine kühle Brise kühlte uns dabei zusätzlich ab. Im Nachhinein war es dann zwar natürlich doch nicht so schlau, so lange an diesem schattenlosen Platz in der Mittagssonne abzuhängen, aber wir waren auch zu abgekämpft, um schnell etwas zu ändern. Irgendwann zog es uns dann aber doch zurück, eigentlich ziemlich genau, als Nael wieder mal etwas Schlaf brauchte. Zurück in der Ferienwohnung legte sich Täschi dann erstmal ab. Nimue, Nael und ich zogen gen Pool. Nael schien endlich seine Berührungsängste mit dem Wasser überwunden zu haben und begann sogar freudig vom Rand in meine Arme zu springen. Das taten wir dann so ausgiebig, dass er am Ende unserer Poolsession erstmal auch seinen Mageninhalt verteilte. Zunächst nahm ich an, dass er einfach zu viel Poolwasser geschluckt hatte. Allerdings hatte er dieselbe Eingebung abends beim ins Bett gehen noch einmal. Vermutlich war dann der Wasserfall in der prallen Sonne doch zu viel für den kleinen Bubi.
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title: "Nichts Als Wasserfälle"
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tags: ['Reise', 'Réunion', 'Frankreich']
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Seit einer Woche sind wir nun auf dieser abgelegenen Insel. Hier gibt es nur Wasserfälle. Keine 5 Meter kann man sich frei bewegen, ohne gegen den nächsten Wasserfall zu laufen. Um es in Nimues Worten von heute Morgen auszudrücken: "Boah, nicht NOCH ein langweiliger Wasserfall". Aber die Wasserfälle sind wun-der-schön!
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## Ausrüstung ist das halbe Leben
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Unser antizyklischer Urlaub in der Hitze stellte uns zunächst vor die Herausforderung, dass wir kein geeignetes Schuhwerk für die Kinder mehr hatten. Die Beiden sind am Ende des Sommers jeweils deutlich gewachsen, deshalb fehlten passende Sandalen. Darum hieß es zunächst einmal Schuhwerk in Saint-Pierre aufzutreiben. Der örtliche Babyausstatter versorgte uns mit besagten Sandalen, die aber eher strand-chic denn wandertauglich waren. Das neue Schuhwerk wollte direkt getestet werden und auf Empfehlung unserer Vermieter steuerten wir den [*Jardin des Tortues*](https://www.lejardindestortues.re/) an. Im Schildkrötengarten gab es dann tatsächlich viele Schildkröten. Kleine Schildkröten, große Schildkröten. Schildkröten im Wasser, Schildkröten an Land. Schildkröten, die gerade neue Schildkröten produzierten. Schildkröteneier, Babyschildkröten. Große Schildkröten zum Streicheln und Abschrubben mit Bürsten und Wasser. Wir schauten uns Schildkröten an, wir streichelten Schildkröten, wir schrubbten Schildkröten und hinterher gab es im Schildkrötenimbiss Pommes und Eis (enttäuschenderweise gab es kein schildkrötenförmiges Eis). Durch den Schildkrötensouvenirshop am Ausgang kamen wir ohne ein Schildkrötenkuscheltier oder eine Schildkrötenpostkarte zu kaufen.
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Nach der Schildkrötenüberdosis musste mehr Ausrüstung her. Ich bin ja ein Decathlon Opfer, also mussten wir zu Decathlon. Auf der Einkaufsliste standen winddichte Softshells, da die Wetterkarte verriet, dass es in den Bergen durchaus Regen, Wind und lediglich 15-20 Grad haben kann. Zu dem Zeitpunkt glaubte ich ja noch daran, dass wir an unsere Wanderleistung in anderen Urlauben anknüpfen könnten. So kam es (bislang) nicht und die erste Woche war auch geprägt von einer Hitzewelle, sodass die Softshells bislang sinnlos waren. Aber gut, ich wollte unserem Equipment schon lange so etwas hinzufügen, es wird uns schon noch helfen, wenn auch nicht unbedingt in diesem Urlaub.
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Vor dem Decathlon gab es dann noch einen netten Spielplatz im Halbschatten, gebaut um die neuen Sportgeräte direkt ausprobieren zu können. Dort verbrachten wir dann noch den verbleibenden Nachmittag, die Kinder kletterten und balancierten fröhlich vor sich hin.
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## Nun aber Wasserfälle
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In unserer Unterkunft liegt praktischerweise der Reiseführer [150 Sorties Marmailles](https://austral-editions.com/index.php?id_product=4&rewrite=150-sorties-marmailles&controller=product). Dieser umfasst, wie der Name vermuten lässt, 150 Ausflugsziele und Wanderungen speziell für Kinder auf Réunion. "Marmailles" ist ein spezielles Wort des réunionischen Créole und bedeutet "Kinder". 4 von 5 vorgeschlagenen Ausflügen sind - wie sollte es anders sein? - Wasserfälle. Die einfacheren Wanderungen sind alle etwa unter 2 km weit, aber oft haben es die Höhenmeter in sich. Wie dem auch sei, unser erster Test führte zum [*Bassin Sassa*](https://www.openstreetmap.org/search?lat=-21.253136&lon=55.471416) in dem netten Örtchen *Entre-Deux*. Es war heiß, wie sich später und die nächsten Tage herausstellte, lag die gefühlte Temperatur in den mittigen 40ern. Der Weg führte an einem Flüsschen entlang, besagtes Flüsschen musste auch einige Male überquert werden. Genau der richtige Auftakt für Klettermaus Nimue, sie fand es großartig. Am *Cascade Sassa* angelangt erlangten wir ein schattiges Plätzchen zum Planschen im Flusslauf. Leider war der Weg zur "richtigen" Badestelle unten am Wasserfall eingestürzt. Ein kurzes Scouting ergab leider keine anderen kindertauglichen Wege. So mussten wir uns also mit dem Blick von oben auf den Wasserfall begnügen. Ein bisschen traurig waren wir, es sah sehr einladend zum Baden aus, aber wir wussten ja auch noch nicht, wie oft wir in den nächsten Tagen noch in den Genuss von Wasserfallbadelandschaften kommen sollten.
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Der Rückweg führte dann durch das wochenendlich-verschlafene Entre-Deux. Die Hitze verlangte nach einem Eis. Zum Glück fanden wir zwischen all den geschlossenen Läden ein Kleinod, in dem wir richtig leckeres selbstgemachtes Mango-, Maracuja und Schokoeis erhielten. Der Tag wurde nach der Rückkehr beschlossen mit ausgiebigem Baden im Pool.
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## Der nächste Wasserfall
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Die Nächte sind früh vorüber. Zwischen 5 und 6 Uhr weckt die Sonne die Kinder, die Kinder wecken uns. Der Kreislauf des Lebens beginnt, der Kreislauf der Eltern hinkt trotz Kaffee hinterher. Heutiger Programmpunkt, [Les Trois Bassins](https://www.openstreetmap.org/search?lat=-21.045293&lon=55.246787). Irritierenderweise sind besagte Trois Bassins nicht am *Ravine des Trois Bassins*, sondern am *Ravine Saint-Gilles*. Konsistente Namensgebung geographischer Features nicht die Stärke der Menschheit. Auch diese Wanderung sollte eher kurz aber höhenmeterintensiv sein. Bei sengender Hitze wagten wir also den Abstieg zum *Bassin des Aigrettes*. Leider ziehen kurze Wanderungen zu den touristischen Highlights natürlich nicht nur uns, sondern auch alle anderen Menschen an. So war es dementsprechend voll und eng auf den verschlungenen Pfaden ins Tal. In diesem Fall aber vielleicht hilfreich: schon am Einstieg des Trails war ein hoher Zaun, der auf die Instabilitäten der Felsen hinwies. Mehrere Absperrungen dieser Art galt es zu überwinden. Wäre niemand anderes durch die Löcher in den Zäunen geschlüpft, hätte es uns vielleicht spätestens bei der dritten Absperrung zum Umkehren bewogen. So war eher Autobahnverkehr und Stau an den Engpässen angesagt, aber man war beruhigt, dass man ggf. nicht alleine sterben würden. Ein Stück des Weges legt man auch in kleinen Kanälen zurück, in denen man schon mal etwas Abkühlung bekommt. Der Wasserfall ist wunderschön.
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Die Sonne stand wieder einmal im Zenit als wir den Wasserfall erreichten. Daher gab es nur sehr wenige Schattenplätze, die natürlich heiß begehrt waren. Wir planschten und badeten eine Runde im Bassin, aber es gab keinen ausgedehnten Aufenthalt zwischen den engen Felsen. Der Rückweg war zwar nicht länger geworden, aber bedeutend anstrengender: erstens ging es bergauf, zweitens wollten beide Kinder getragen werden. Trotz meines rudimentären Trainingsprogramms daheim machten mir die ~35 kg Marschgepäck (17 kg Kind, 4 kg Kraxe, 3 kg Wasser, undefiniert schwere Fotoausrüstung, Essen, Wickelzeug, Badezeug) bei gefühlten 45 Grad und bergauf zu schaffen. Wir mussten uns wohl weiterhin, insbesondere bei dieser Wetterlage, mit den 2 km Wanderungen begnügen. Das verschloss uns natürlich die abgelegeneren Highlights der Insel. Aber wer weiß, nicht ganz zwei Wochen haben wir noch und es scheint etwas abzukühlen und wir trainieren ja jeden Tag fleißig.
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Es folgten ein Eis an der Tankstelle, das Einkaufen im Carrefour, das Baden im Pool und das Abendessen. Die Mangos schmecken wieder ganz anders als zu Hause.
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## Es gibt auch Strände auf einer Insel
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Die Wanderung steckte uns in den Knochen (insbesondere in den Knochen der Knie), die angekündigte gefühlte Temperatur lag immer noch in den 40ern. Ein Strandtag sollte her. Wir legten also die Wasserfallserie zunächst auf Eis und suchten nach Stränden. Das ist auf Réunion nicht ganz einfach. Wie es sich für eine Vulkaninsel gehört gibt es einmal schwarze Strände, die aber natürlich besonders heiß und unschattig sind. Die Strände aus Korallensand sind auch meistens nicht besonders schattig, aber die Hauptschwierigkeit scheinen Haie zu sein. Die nahen Korallenriffe erzeugen zwar Strände und Schnorchelgelegenheiten, locken aber eben auch Haie nah an den Strand. Irgendwie glaube ich zwar nicht, dass Haie, die so küstennah überhaupt noch schwimmen und jagen können, *wirklich* wild Menschen attackieren, aber auf der anderen Seite muss ich ja meine Kinder nicht fressen lassen (ich schicke sie ja schon in einsturzgefährdete Schluchten). Daher hält man sich wohl besser an die überwachten Strände.
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Einen davon hatten wir quasi direkt vor unserer Nase: [der Stadtstrand von Saint-Pierre](https://www.openstreetmap.org/search?lat=-21.344269&lon=55.472964). In den *Jardins de la Plage* kann man sich mit den Kindern schon aufhalten. Einige Bäumchen spenden Schatten, es gibt echte und künstliche Liegewiesen, die ein bisschen angenehmer sind als der heiße und sandige Sand. Außerdem gibt es als Highlight einen Wasserspielplatz. Diesen nutzten die Kinder ausgiebig und wir konnten im Palmenschatten daneben liegen. So gab es dann den ganzen Tag auch nur einen Ausflug ins echte Meer, aber man kann wirklich innerhalb der ersten 15 Meter des Wassers schon Korallen mit Fischschwärmen erschnorcheln. Es ist jetzt nicht das Great Barrier Reef, aber es ist super zugänglich. Jetzt bin ich denkbar unbewandert in Fischklassifikationen, aber einige "Findet Nemo"-Charaktere kann man entdecken. Gesehen habe ich beispielsweise den Picasso-Drückerfisch, den Honigwaben-Zackenbarsch und den Gemeinen Wimpelfisch. Aber Fischschwärme, lange aalartige Fische; alles, was es braucht, gibt es da zu finden. Nur die Korallen sehen leider nicht so fit aus. Die scheinen auch von den hohen Wassertemperaturen geschädigt, so wie überall auf der Welt.
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Gezeichnet von den spitzen Steinen am Strand und den spitzen Steinen an den Wasserfällen führte uns der nächste Stopp zu...Decathlon. Wasserschuhe sollten her. Leider sind wir ja gekommen, nachdem Heerscharen weihnachtsreisender Franzosen auch über die Insel gezogen sind. Wir waren wieder einmal nicht die einzigen, die unvorbereitet ohne Wasserschuhe kamen: im Decathlon unserer Wahl waren die Kinderwasserschuhe restlos leergeräubert. Aber immerhin konnten wir noch ein Eis auftreiben, war die Anfahrt immerhin nicht vergebens.
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