This commit is contained in:
@@ -2,6 +2,10 @@
|
||||
title: "Ekelhaft"
|
||||
date: 2025-01-11T00:34:05+01:00
|
||||
draft: false
|
||||
tags: ['Reise', 'Frankreich', 'Übersee', 'Karibik']
|
||||
resources:
|
||||
- name: header
|
||||
src: fall-de-wasser.jpg
|
||||
---
|
||||
Die dunkle Seite der kolonialen Geschichte Martiniques bekommt man verhältnismäßig wenig zu Gesicht. Ich hätte deutlich mehr Mahnmale oder Erinnerungsstücke an die kolonialen Vergehen erwartet. So war das Schweigen über Anbaumethodik und Sklaverei bei den zwei Ruinen von Zuckerplantagen, an denen wir zufällig vorbeigekommen waren, auffallend laut. Den geballten Schock holten wir dann aber in der *Savane des Ésclaves* gebührend nach, und mein schwacher Magen hätte sich das lieber erspart. Aber auch hier gilt: der Reihe nach.
|
||||
|
||||
@@ -17,6 +21,8 @@ Der Ehrgeiz verlangte aber eigentlich, dass wir es auch zum zweiten Wasserfall s
|
||||
|
||||
Auf dem Weg zurück sammelten wir dann noch einen Cache bei einem Nachbau der Sacre-Coeur ein. Unsere Anwesenheit an der Kirche mit schönem Ausblick wurde allerdings kritisch beäugt, da wir in eine Beerdigung gerieten. Ich habe das erste Mal in meinem Leben einen echten Sarg gesehen. Danach gab es einen kleinen Schlenker zu Decathlon, um tatsächlich in bester Rentner-Manier Wanderstöcke zu kaufen. Trotzdem ich mich gleich um Jahrzehnte gealtert fühle meine ich, das ist eine gute Investition, wenn man mit schweren Kindern auf dem Rücken über nasse, matschige und Steile Trails eilt. Täschis Knie werden es ihr danken!
|
||||
|
||||

|
||||
|
||||
## Jetzt zu dieser ekelhaften Sklavenscheiße
|
||||
|
||||
Am Samstag sind wir dann zu eingangs erwähnter *Savane des Ésclaves* gefahren und wollten anschließend zum Strand, da wir schon damit rechneten, dass ein Freilichtmuseum, selbst mit den größten pädagogischen Anstrengungen, Nimue nicht unendlich lange bei der Stange halten würde. In besagten Freilichtmuseum wird jeweils in sehr bescheidenem Maßstab kurz die Geschichte der Ureinwohner bis zu Vernichtung durch Kolonisten, die der Sklaverei im (hauptsächlich) Zuckerrohranbau und die der "befreiten" Sklaven nach offizieller Abschaffung der Sklaverei aufgegriffen. Als aufgeklärtes Kind des auslaufenden 20. Jahrhunderts im Allgemeinen und deutscher Staatsbürger (die wir ja im Allgemeinen so tun, als hätten wir keine problematische Kolonialvergangenheit und außerdem andere Verbrechen zum Aufarbeiten und gerade Wiederholen haben) im Speziellen hatte ich bisher ein abstraktes Verständnis der mit Sklaverei verbundenen Gräuel. Und auch, wenn das Freilichtmuseum jetzt nicht unendlich viel zu bieten hatte und auch nicht wie eine didaktisch und wissenschaftliche brillante Ausstellung wirkte, - oh boy - drehte sich mir echt der Magen um, bei den plastischen Schilderungen und den teilweise dazu ausgestellten Dingen. Widerwärtig wieder einmal die Erkenntnis, was Menschen anderen Menschen antun. Und wenn man dann, gerade im aktuell geschichtsvergessen Diskurs der Tagespolitik, immer irgendwelche Menschen liest und hört, die ob dieser und anderer Verbrechen dann meinen "es müsse ja auch mal gut sein", "es ist ja schon lange her": Fickt euch! Diese Scheiße ist nicht wieder gutzumachen, jede Anstrengung dazu ist vergeblich und muss gerade deshalb unternommen werden. Und die Kausalketten, was den "befreiten" Sklaven angetan wurde, endet halt heute bei ihren Nachfahren nicht. Der gesamte westliche, weiße Wohlstand ist und bleibt mit Blut und Leid bezahlt. Wir täten wahrlich mal gut daran beispielsweise alle Firmen, deren Erfolg auf Kriegen, Ausbeutung, Sklaverei und Holocaust basiert direkt zu einteignen. Tabula Rasa. Dann bleibt nicht mehr viel, aber von den dann wirtschaftlich freigesetzten Ressourcen könnte man so einiges bewegen in dem Versuch "Wiedergutmachung" zu leisten. Boah muss ich kotzen und kann das gar nicht verschriftlichen wie abartig ich das finde. Bildungstechnisch also ein voller Erfolg, trotzdem wir nur einen Bruchteil der kleinen Ausstellung überhaupt ansehen konnten, weil 37° C und Freilichtmuseum und Kinder eine üble Mischung sind.
|
||||
|
||||
Reference in New Issue
Block a user